Sherry Tasting: Tränen von Gott, die unseren Gaumen versüßen

11. November 2015

In den 1970er Jahren war Sherry das besondere Getränk schlechthin. In Südspanien, genauer gesagt Andalusien, wurden rund um seinen Heimatort Jerez de la Frontera 30.000 ha dieses Weißweins angebaut. Heute sind es noch 6.500 ha. Die Besonderheit des Sherrys ist, dass der Grundwein mit Branntwein verstärkt und einem speziellen Reifeprozess unterzogen wird.

Alexander, der Ahnungslose

Und ich hatte ehrlich gesagt bis letzten Montag gar keine Ahnung von Sherry. Zum Glück bekam ich von der wunderbaren Anja Schröder eine Einladung ins Planet Wein zur Onlineverkostung von Gonzáles Byass.
Gonzáles Byass baut auf fast 1.000 ha Wein für Sherry an und ist damit der wohl wichtigste Produzent.

Aber wie soll eigentlich eine Onlineverkostung funktionieren? Nach einer kurzen Einführung von den beiden Sherry Experten Tina Heidelberg und Jan Buhrmann vom Filetstück ging es auf einem großen Fernseher direkt los. Kellermeister Antonio Flores jagte uns in 70 Minuten durch 9 Sherrys. Mit jedem Exemplar wurden seine Worte blumiger und es war ein großes Vergnügen seiner eindrücklichen Sprache und ausladenden Gestik zu folgen.

Zwei Arten Sherry

Sherry lässt sich in zwei Arten unterteilen, die von der Art der Reifung abhängen. Er reift entweder biologisch oder oxidativ. Bei der biologischen Reife bildet sich oben auf dem Wein eine Schicht Florhefe, die den Sherry vor der Oxidation schützt. Diese Sherrys werden als Fino bezeichnet und sind an ihren hellen Farbe deutlich erkennbar. Sie sind trocken und entwickeln ein an Mandeln oder auch an Hasel- und Walnüsse erinnerndes Aroma.

Sherry_cellar,_Solera_system_2,_2003Entscheidet sich der Kellermeister für die oxidative Reifung kann sie die Florhefe durch den höheren Alkoholhalt nicht entwickeln. Diese Weine werden durch die Reaktion auf den Sauerstoff sehr dunkel und der Geschmack nimmt stärker die Tannine aus dem Holzfass an.

Im Gegensatz zu „normalem“ Wein gibt es bei den Sherrys nur in besonderen Ausnahmefällen Jahrgangsweine. Durch die Reifung in der Solera werden unterschiedliche Jahrgänge verschnitten. Die Fässer werden dabei nach Alter übereinander gestellt und sind nur zu 4/5 gefüllt. Der älteste Sherry steht unten und von hier wird er abgefüllt. Die Entnahme wird dann jeweils von den darüberliegenden jüngeren Fässern ersetzt.

Damit ist es beim Sherry auch heute noch möglich, den Geschmack wie vor 100 Jahren zu reproduzieren. Das Alter wird dabei als Durchschnittsalter angegeben.

Fünf Säulen

Die fünf Säulen des Sherry sind:

  • der spezielle Boden in der Region – weißer Kalkboden namens Albariza,
  • die Rebsorten,
    • Palomino
    • Pedro Ximénes
    • Moscatel
  • biologische Reifung,
  • oxidative Reifung,
  • und das dynamische Alterungssystem Solera.

Wir haben unsere Verkostung mit den biologisch gereiften trockenen Sherrys begonnen. Es ging los mit dem 4 Jahre alten Tio Pepe, gefolgt vom 8 Jahre alten Dos Palmas, bei dem die Hefe langsam den Hungertod stirbt und schließlich dem Tres Palmas (10 Jahre). Einem Wein am Rande zwischen Leben und Tod. Ich sagte es ja Antonio Flores ist ein Meister der großen Worte.

Es ging weiter mit einem Sherry, der zunächst biologisch und dann oxidativ gereift ist. Man spricht hier von einem Amontillado. Es folgten noch zwei trockene oxidativ entstandene Sherrys.

Dann ging es über zu drei Weinen, die mit wachsendem Anteil Pedro Ximénes gesüßt werden. Alle drei Sherrys hatten ein Alter von über 30 Jahren und werden mit dem Kennzeichen VORS (Very Old Rare Sherry) versehen.

Bereits der erste namens Apostoles sollte beinahe wie die Liebe sein. Allen dreien gemeinsam ist ein bittersüßes Ende… wie das Leben.

Das grande Finale war dann schließlich der Noe und ich war sehr gespannt, wie der Meister der Worte seine bisherigen Ausführungen noch steigern sollte. Es folgten „die Tränen von Gott, die unseren Gaumen versüßen“ und schallendes Gelächter im Raum.

Vielleicht ist so ein Onlinetasting sogar ganz gut, weil der Sprecher auf der anderen Seite nicht alle Reaktionen mitbekommt ;-).

Fazit

Sherry ist ein spannendes Thema und ich bin dankbar für diesen tollen Einstieg. Mit den trockenen Sherrys bin ich noch nicht richtig warm geworden, die sind mir zu heftig. Ein kleines Gläschen als Aperitiv oder zu einem besonderen Gang, wie das Jan Buhrmann gerne kombiniert, ist jedoch ein Gedicht. Tina Heidelberg empfiehlt wärmstens den Vina AB Amontillado zu Tomatensuppe.

Hast Du schon Erfahrungen mit Sherry gesammelt? Schreib mir eine eMail an ar@nullwinemeets.com.

Alexander

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Alexander

Unterwegs im Auftrag des Weines... Die Liebe zum Wein wurde mir schon in die Wiege gelegt, als sich meine Eltern auf dem Weinfest in Volkach kennen gelernt haben. Als Kommunikationstrainer und begeisterter Netzwerker bin ich heute in der Welt unterwegs auf der Suche nach immer neuen Geschichten und feinen Köstlichkeiten.

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