Wie sieht eine Flasche Wein von 1852 aus? – Marqués de Murrieta

Wie viele Weinproben verträgt ein Weinpunk eigentlich pro Tag? Gerade noch war ich in Dr. No’s Weinkeller und schon geht es weiter zum nächsten Highlight meiner Spanien-Reise. Nur eine dreiviertel Stunde entfernt vom Weinmuseum liegt das über 160 Jahre alte Weingut Marqués de Murrieta.

Alterung von Weinen

IMG_0517Normalerweise muss man seine Weine selbst lagern, wenn man sie ausreichend reifen lassen möchte. Unter bestimmten Bedingungen wie der Rebsorte, dem Jahrgang, der Art der Weinherstellung und dem Weinbaugebiet werden Weine mit zunehmendem Alter besser. Die Spezialität von Murrieta ist die Alterung sowohl von Rotweinen als auch Weißweinen. Das stellt durchaus etwas Besonderes dar und schlägt sich auch im Preis nieder. Hier sind sichtlich BWL- und Marketingspezialisten am Werk.

Reserva und Gran Reserva

Die jüngsten Weine, die man bei Murrieta kaufen kann, sind Reserva Weine. Sie sind mindestens 12 Monate im Eichenfass und insgesamt drei Jahre gereift. Viele Weine kommen als Gran Reserva mit einer Mindestreife von fünf Jahren in den Handel.

Vor einigen Jahren wurde mit großem finanziellem Aufwand das Originialweingut restauriert und beherbergt heute eine umfassende Weinsammlung aus der gesamten Firmengeschichte. Der besondere Augapfel ist dabei ein Rotwein aus dem Jahr 1852. Ich bin beeindruckt von den zahlreichen Ausstellungstücken und der eindrucksvollen Aufmachung. Allerdings kommt mir die gesamte Führung durch die Anlage (gerade nach der Weinprobe bei Vivanco) vor, wie eine schier endlose Druckbetankung nach dem Motto „Wir sind die Geilsten“. Da wäre mir viel lieber gewesen, wir wären direkt zur Weinprobe übergegangen und hätten unsere eigenen Fragen stellen können.

Weinprobe mit Eigensinn

Hier ist Alles von vorne bis hinten durchgeplant und die Mitarbeiterin des Weinguts hat sichtbar Mühe uns im Zaum zu halten. Wir überfodern Sie endlos, als wir in der Probierstube die Sitzordnung eigenmächtig ändern und zusammen sitzen wollen. Drei Weine stehen auf dem Programm. Das finde ich eigentlich ein bisschen mager, aber im Anschluss dürfen wir trotz Ende der Öffnungszeiten im Verkaufsraum weiter probieren. Und dann taut unsere arme Führerin sogar noch etwas auf.

Wir beginnen die Probe mit einem weißen Albariño von Schwesterweingut Pazo Barrantes. Albariño heißt übersetzt „die kleine Weiße vom Rhein“. Der Legende nach kam die Rebsorte zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert über Mönche auf dem Jakobsweg nach Spanien. Der Wein ist für das Programm von Murrieta sehr jung, er besitzt eine feine Säure und ist angenehm frisch.

Weiter geht es mit einer Reserva Marqués de Murrieta aus dem Jahr 2009. Der Wein besteht vor allem aus der Tempranillo-Traube, etwas Grenache, Mazuelo und Graciano. Es ist ein ordentlicher Rotwein, den ich mir gut zu einem schönen Stück Fleisch vorstellen kann.

Mein Highlight jedoch sollte der dritte Wein namens Dalmau sein. Er ist eine Cuvée aus 74% Tempranillo, 15% Cabernet Sauvignon und 11% Graciano. Wir bekommen den 2009er Jahrgang und der vollmundige Wein gefällt mir auf Anhieb. Ein wunderbarer Geschmack mit der richtigen Balance aus Frucht und Holz. Dieser Wein wäre mir locker 30 € die Flasche wert.
Leider sind wir jedoch bei Murrieta und da kostet der herrliche Tropfen fast das Doppelte. Es bleibt also bei meiner Erinnerung an einen der besten Weine dieser Reise.

Frage der Woche

Apropos Erinnerung: Kannst Du Dich an den ältesten Wein erinnern, den Du je probiert hast? Mein ältester Weißwein war ein Chardonnay aus dem Jahr 1967 und hat leider heftig gekorkt. Mein ältester Rotwein war aus dem Jahr 1974 bei Tim Raue in Berlin. Und wenn mich nicht Alles täuscht sogar ein Castillo Ygay von Murrieta. Das war wunderbar lecker.

Schreib mir doch einfach eine eMail an ar@nullweinpunk.de oder einen kleinen Kommentar, was Dein ältester Wein war!

Alexander

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Alexander

Unterwegs im Auftrag des Weines... Die Liebe zum Wein wurde mir schon in die Wiege gelegt, als sich meine Eltern auf dem Weinfest in Volkach kennen gelernt haben. Als Kommunikationstrainer und begeisterter Netzwerker bin ich heute in der Welt unterwegs auf der Suche nach immer neuen Geschichten und feinen Köstlichkeiten.

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