Das Aromarad – Wie kommt grüner Apfel in den Wein?

22. April 2015

Am Beginn meiner Weintrinker-Karriere habe ich Wein nur in zwei Kategorien unterteilt: Schmeckt mir oder schmeckt mir nicht. Auch heute noch bleibt das mein wichtigstes Kriterium und das ist auch gut so.

Leider ist es aber schwer einem Weinverkäufer oder einem Kellner so einen Wein zu beschreiben. Ich möchte bitte einen Wein, der mir schmeckt. Und schon kommen Fragen wie: „Soll der Wein eher trocken oder süß sein?“ „Lieber fruchtig oder doch mineralisch?“ usw.

Schon bin ich mit meiner Sprache aufgeschmissen. Laut dem Deutschen Weininstitut DWI sind wir Menschen in der Lage bis zu 10.000 Gerüche wahrzunehmen. Allerdings fehlen uns dafür ganz oft die Worte.

Foto 18.02.15 18 52 39Zur Entwicklung einer Systematik wurde in der Mitte der 1980er-Jahre von der Universität von Kalifornien ein Weinaromarad erstellt. Laut Wikipedia ist ein Aromarad ist ein standardisiertes System zur sensorischen Beschreibung von Aromen. Aromaräder gibt es in der Lebensmittelindustrie für verschiedene Nahrungs- und Genussmittel (z. B. Schokolade, Kaffee, Tee, Wein, Whisky).

Für Wein gibt es unterschiedliche Aromaräder. So wurden beispielsweise für Deutschen Wein verschiedene Aromaräder für Weißwein und für Rotwein entwickelt. Vom prinzipiellen Aufbau gibt es jeweils drei Kreise, die geschmacklich aufeinander aufbauen. Im innersten Kreis wird grob in Kategorien wie fruchtig, würzig oder vegetabil unterteilt.
Im mittleren Kreis wird dann das jeweilige innere Segment weiter verfeinert. Hier gibt es dann Unterscheidungen wie floral, erdig, Hölzer, Fette, Nüsse; Zitrusfrüchte, Beeren etc.
Ganz konkret wird es dann im äußeren Kreis. Hier gibt es einzelne Früchte wie Kirschen, Himbeeren, Holunder, aber auch geschnittenes Gras, Eukalyptos, Minze, Joghurt, Leder, schwarzer Pfeffer und jede Menge mögliche und unmögliche Aromen mehr. So kommt dann auch der grüne Apfel in den Wein 😉.

Ganz abgefahren wird es dann in mancher Weinbeschreibung, wo der Wein nicht nur nach rostigen Stoßdämpfern riecht, sondern sogar so schmecken soll. Siehe auch den amüsanten Artikel Wein Social Media Bullshit Bingo bei Felix Bodmann.

Auf einem Weinseminar hatte ich die Frage, ob denn wirklich Früchte im Wein sind. Im Wein sind generell nur Trauben, der „grüne Apfel“ ist also auch nur eine Annäherung bzw. ein Versuch unseren Sinneseindruck in Worte zu fassen.

Ich nutze das Aromarad in meinen Seminaren gerne umgekehrt. Statt erst zu riechen und dann zu sagen, was im Wein ist, nutze ich es als Inspiration. Ich suche mir z. B. eine Frucht aus und prüfe inwieweit der Wein mich daran erinnert.
Die Deutschen Weinräder gehen sogar soweit, dass es zu den wichtigsten Rebsorten auf der Rückseite Geschmacksprofile gibt. Das DWI beschreibt die Duftnoten im Riesling erinnernd an Weinbergspfirsich, Apfel, Grapefruit, Rosenblüte, Honig und frisches Gras. Mit diesen Geschmacksprofilen kann ich dann auch den passenden Wein zu einem Essen auswählen. Ein nach süßen Gewürzen duftender Gewürztraminer passt sehr gut zu asiatischen Speisen, ein kräftiger Grauburgunder kann, obwohl er zu den Weißweinen gehört, auch durchaus neben Rindfleisch bestehen. Und zu einem leckeren Mousse au chocolat passt ein schöner Rotwein oder natürlich ein Dessertwein.

Alexander

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Alexander

Unterwegs im Auftrag des Weines... Die Liebe zum Wein wurde mir schon in die Wiege gelegt, als sich meine Eltern auf dem Weinfest in Volkach kennen gelernt haben. Als Kommunikationstrainer und begeisterter Netzwerker bin ich heute in der Welt unterwegs auf der Suche nach immer neuen Geschichten und feinen Köstlichkeiten.

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